Laudatio von Olga Zinoviev auf der akademischen Jahresfeier im Zeichen des 40-jährigen Gründungsjubiläums der Universität Augsburg

1 Август, 2010 (19:39) | DEUTSCH

Laudatio von Olga Zinoviev, Direktorin des Russisch-Bayerischen Alexander Zinoviev Research-Center, auf der akademischen Jahresfeier im Zeichen des 40-jährigen Gründungsjubiläums der Universität Augsburg (Deutschland), 23 Juli 2010

Hochverehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Minister, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kollegen!           

Ein ganz besonderes, freudiges Jubiläum hat uns heute alle hier in diese herrlichen Hallen geführt. Vor genau 40 Jahren wurde diese Universität gegründet.

Augsburg – Augusta  Vindelicorum -  und seine Bürger können zu Recht voller Stolz auf Jahrhunderte und sogar –tausende bewegter Geschichte zurückblicken, reich an nicht nur für die Stadt und für Bayern, sondern für ganz Deutschland denkwürdigen Ereignissen.

Doch glaube ich – und Sie werden mir Recht geben –  dass die Geschichte vor vierzig Jahren um ein weiteres bedeutendes Ereignis reicher wurde.

Denn selbst in unserem Zeitalter des ungestümen Fortschritts in Forschung, Wissenschaft, Bildungswesen und Kultur ist die Gründung einer Universität weit davon entfernt ein banales Ereignis zu sein. Nein, es behauptet sich vielmehr als anschauliche und selbstbewusste Bekundung des dieser Stadt eigenen intellektuell und kulturell hochrangigen Charakters.

Man hätte sich ja die Frage stellen können, warum die Stadt, wenn sie schon über Mittel verfügte, sich nicht durch gezielte Investitionen schnellen und sicheren Profit, eine ansehnliche Steuerbasis, ein touristisches Tischlein-deck-dich gesichert hat. Die Augsburger können mit Recht stolz sein, 1970 nicht diesen vom rein finanziellen Standpunkt aus attraktiven Weg beschritten, sondern sich dafür entschieden zu haben, in die Produktion von intellektuellem Gut: von humanistischen, kulturellen und moralischen Werten zu investieren.

Somit hat Augsburg jenen Bedürfnissen entsprochen, die, wenn man es genau nimmt, die eigentliche Basis des rein menschlichen Daseins bilden. Der Sinn aller menschlicher Existenz beschränkt sich nicht auf Entwicklung der Wirtschaft und Vertiefung der sozialen Beziehungen, nicht auf blosse Verbesserung der Lebensbedürfnisse, sondern die Menschheit ist stets in angestrengter intellektueller Arbeit begriffen und auf diese bedacht, verdankt sie ihre Evolution ja nicht zuletzt der menschlichsten aller menschlichen Besonderheiten: der Neugierde, dem Wunsch, zu erfahren, zu lernen.

Wie heute deutlich zu sehen, war die Wahl des Weges eine weitsichtige und effiziente Entscheidung gewesen. Aus dem „Projekt Augsburger Universität“ wurde Wirklichkeit – landesweit, europaweit, ja weltweit anerkannt und geschätzt von der internationalen scientific community, von Laien und Studierenden.

Man kann diesem Erfolg nicht ohne Begeisterung begegnen, denn die Gründungsväter hatten sich wohl eingestehen müssen, dass sie vornehmlich sich selbst Konkurrenz machen würden angesichts der für alle Zeiten der Stadtgeschichte eingeprägten herausragenden Persönlichkeiten und Augsburger Söhne wie Hans Holbein d.Ä., der Dynastie der Fugger, Bert Brecht, Rudolf Diesel, Leopold Mozart, Werner Egk, Wilhelm Messerschmidt u.a. Seit langem schon prangten damals die Architekturdenkmäler und Symbole der Stadt Augsburg: die Basilika St.Ulrich und Afra, die Fuggerei, das Rathaus. Mit diesen Prämissen musste die Erschaffung eines weiteren Tempels – eines modernen Tempels der Wissenschaft –  zumindest als kühne Herausforderung dastehen.

Doch Augsburg hat diese Herausforderung angenommen und hat die Prüfung mit Bravour bestanden, denn es war sich der Macht seiner Tradition und der Kraft seiner Bürger bewusst.

Kennzeichnend für die Geschichte der deutschen Universitäten ist, dass sie sich in erster Linie nicht in den Hauptstädten schrieb. Heidelberg, Freiburg, Erfurt, Bremen, Jena…  Und nunmehr nimmt auch Ausburg die ihm gebührende Stelle in dieser brillanten Reihe ein.

Das hohe Niveau der Forschung und Wissenschaft, erlesene Studiengänge in den exakten Wissenschaften und Geisteswissenschaften, die ständige evolutive Anreicherung des Lern- und Lehrprozesses durch Innovationen des High-tech und der Grundlagenforschung, Zehntausende von Studenten, ein moderner Campus im Grünen, ein hochprofessionneller fachorientierter Lehrkörper, internationale Beziehungen im Aufwind – daraus ergibt sich das einnehmende Image der Augsburger Universität und die Anziehungskraft, die sie auf Studenten und jene, die es werden wollen, nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch aus ganz Europa und Asien ausübt.

Nun ist es wohl nicht die leichteste der Aufgaben, ein solches komplexes menschliches und professionnelles Gefüge auf Kurs zu halten, zu verwalten, zu begreifen. Der 40-jährige Organismus der Universität ist vergleichbar mit dem menschlichen. Wir können an ihm die verschiedenartigsten Prozesse beobachten, welche ständige Aufmerksamkeit und die Bereitschaft verlangen, in jedem Augenblick eingreifen zu können, um Kollisionen abzuwenden und um in jedem einzelnen Falle adäquate Entscheidungen zu treffen. Der Aufgabe dieses subtilen Steuerprozesses sind aber nur jene wenigen gewachsen, die sich der Enormität der durch die Führung dieses überaus komplexen menschlichen Konglomerats entstehenden Verantwortung bewusst werden und diese zu tragen vermögen.

Vielverehrter Herr Präsident! Diese vielschichtige, dornige Verantwortung, multipliziert mit Ihrer Erfahrung, Ihrem Takt, Ihrem Verständnis, erfüllt die Herzen all’ jener, die in dem vergangenen Jahrzehnt Zeugen Ihrer Meisterschaft werden durften, mit Dankbarkeit und Enthusiasmus.

Gleich dem Kapitän eines gigantischen Flaggschiffes auf einer langjährigen Forschungsreise sehe ich Sie am Steuerpult, stets aufmerksam und aufgeschlossen, umgeben von hunderten von hochkomplexen Geräten, die alle zeitgleich flimmernd und flackernd von allen Funktionen und Bereichen Ihres Schiffes kundtun.

Sehen Sie her, man kann hier praktisch alles vorfinden, was für das nahtlose Funktionieren dieses riesigen Mechanismus vonnöten ist: Navigationssystem, Analytisches Zentrum, Kommunikationszentrale. Die gesamte Besatzung erfährt eine konstante Steigerung ihrer Qualifikationen, System-Management und Sicherheits-Standard werden ständig überholt.

Doch eines fehlt, ja fehlt dramatisch : ein modernes medizinisches Zentrum, absolut lebensnotwendig in einem solchen Organismus. Denn dann erst wird die Augsburger Universität den strengsten Anforderungen einer im klassischen Sinne idealen Universität genügen.

Lieber Herr Professor Dr. Bottke, bitte nehmen Sie all’ diese Methaphern als Zeichen meiner höchsten Achtung und Anerkennung Ihrer unbestreitbaren souveränen Professionalität, welche mit einer Honorarprofessur zu ehren kürzlich der Staatlichen Handels- und Wirtschafts-Universität der Russischen Föderation die angenehme Aufgabe zugefallen war.

Im Namen des Russisch-Bayerischen Alexander Zinoviev Research centers, gegründet durch die Initiative der Augsburger Universität und der Staatlichen Handels- und Wirtschafts-Universität der Russischen Föderation, möchte ich Ihnen ganz persönlich zu diesem schönen runden Geburtstag der Universität Augsburg gratulieren.

Dank Ihrem Eifer, unermüdlichem Engagement sowie der Tatkraft Ihrer Kollegen wurde ein solides Fundament errichtet, auf welchem auch in Zukunft landesweit und weltweit Wissenschaft, Technik und Kunst als Produkt des intellektuellen Schaffens gedeihen werden.

Ich wünsche Ihrer Universität, den Studenten, allen Mitarbeitern, dem gesamten Lehrkörper Erfolg bei der Verwirklichung der imponierenden und aussichtsvollen Pläne der intellektuellen Erschliessung der uns umgebenden Welt in all’ ihrer Mannigfaltigkeit.  Olga Zinoviev

Leiterin des Russisch-Bayerischen Alexander Zinoviev Research Centers